Medizinische Patienteninformationen
Normalwerte
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Wie häufig sind Schilddrüsenkrankheiten?
Wie kommt es, dass unsere Nahrung so jodarm ist?
Welche Aufgabe hat die Schilddrüse?
Was ist ein Kropf ?
Wie entsteht ein Kropf ?
Was heißt heißer oder kalter Knoten?
Was sind Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse ?
Wie sieht die Behandlung des Jodmangelkropfes aus?
Ist zuviel Jod schädlich ?
Was folgt daraus für die Jodversorgung ?
Was folgt aus diesen Erkenntnissen?
Wie häufig sind Schilddrüsenkrankheiten?
Etwa 40 - 50% der Frauen und 20 % der Männer haben eine vergrößerte
Schilddrüse. Jede 3. bis 4. Frau und etwa jeder 6. Mann weisen zudem
mindestens einen Schilddrüsenknoten auf. Schilddrüsenoperationen
stehen heute an vierter Stelle der Operationsstatistik: 100.000 Schilddrüsenoperationen
im Jahr. Ein Großteil von ihnen wäre durch vorbeugende Maßnahmen
vermeidbar - durch eine nebenwirkungsfreie ausreichende Jodversorgung.
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Wie kommt es, dass unsere Nahrung so jodarm ist?
Die letzte Eiszeit ist dafür verantwortlich. Das Schmelzwasser spülte
das Jod aus den Böden über die Flüsse ins Meer. Dort findet
sich das Jod in großen Mengen, also in Seefisch, Meeresfrüchten
und Algen.
Wie groß ist unsere Schilddrüse normalerweise?
Diese Grenzen werden auch hier im Norden, auch an der See, oft ganz erheblich
überschritten. Wir sehen regelmäßig Schilddrüsengrößen
zwischen 100 und 250ml.
Derzeit bestehen keine nennenswerten Unterschiede zwischen Bayern und
Norddeutschland, was die Häufigkeit von Schilddrüsenvergrößerungen
angeht. Das gilt auch für Küstenbewohner.
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Welche Aufgabe hat die Schilddrüse?
Die Schilddrüsenzellen produzieren Schilddrüsen-Hormone. Diese
Hormone treiben sozusagen den Stoffwechsel des Körpers an. Jede Zelle
des Körpers ist mehr oder weniger - je nach Organ - aktiv, muss ständig
zahllose Leistungen erbringen. Hierfür wird ständig Energie
benötigt.
Die Schilddrüsenhormone gehen in jede Körperzelle und sorgen
dafür, dass die Zelle genügend Energie und Wärme produzieren
kann.
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Was ist ein Kropf ?
Der Kröpf ist eine Vergrößerung der Schilddrüse mit
oder ohne Knotenbildung, im medizinischen
Sprachgebrauch auch Struma genannt.
In den meisten Fällen handelt es sich um einen Jodmangel —
Kropf. Immerhin 40 - 50% aller Frauen haben solch eine Schilddrüsenvergrößerung
- eine erschreckend häufige Erscheinung.
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Wie entsteht ein Kropf ?
Wie schon erwähnt, spielt der Jodmangel eine entscheidende Rolle.
Hinzu kommt häufig eine familiäre, genetische - also erblich
bedingte - Veranlagung zur Kropfbildung. Kommen beide Faktoren zusammen,
so bilden sich oft schon im Pubertätsalter behandlungsbedürftige
Schilddrüsenvergrößerungen.
Der Jodmangel würde - vor allem bei erblicher Belastung - langfristig
zu einer verminderten Schilddrüsenhormonproduktion führen.
Das Schilddrüsenhormon ist im Gegensatz zu vielen anderen Hormonen
eigentlich eine sehr einfach gestrickte Verbindung. Es besteht aus einer
einfachen Aminosäure, (also dem kleinsten Eiweißbaustein).
Die Aminosäure heißt Tyrosin.
In der Schilddrüsenzelle wird diese Aminosäure Tyrosin mit drei
bzw. vier Jodatomen verknüpft. Das Ergebnis sind die Schilddrüsenhormone
T3 und T4 mit 3 bzw. 4 Jodatomen. Die Schilddrüse hilft sich bei
drohendem jodmangelbedingtem Hormonmangel zunächst selbst.
Wachstumsfaktoren in der Schilddrüse sorgen dafür, dass sich
die Schilddrüsenzellen teilen und auch größer werden.
Dadurch kann wieder ausreichend Hormon produziert werden. Die Schilddrüse
vermeidet also einen Hormonmangel, also eine Unterfunktion, durch Wachstum.
Grundsätzlich eigentlich ein vernünftiger Schutzmechanismus.
Auf Dauer entsteht auf diese Weise aber ein Kröpf, oft verbunden
mit Knotenbildung. Ein Teil dieser Knoten, die durch Jodmangel entstanden
sind, wird kalt, ein anderer Teil wird heiß.
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Was heißt heißer oder kalter Knoten?
Ein kalter Knoten ist hormoninaktiv, produziert also kein Schilddrüsenhormon.
Ein heißer Knoten ist hormonüberaktiv, produziert also zu viel
Hormon.
Ursache dieser Knoten sind vermutlich plötzlich auftretende Mutationen,
also Veränderungen in der Erbsubstanz einer einzelnen Schilddrüsen-Zelle
- wesentlich begünstigt durch Jodmangel. Die Veränderungen der
Erbsubstanz der betroffenen Zelle kann zur einer überaktiven heißen,
aber auch zu einer hormoninaktiven kalten Zelle führen. Durch die
jodmangelbedingte Zellteilung entwickelt sich dann allmählich aus
einer genetisch veränderten Zelle ein heißer oder kalterKnoten.
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Was sind Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse ?
Die Schilddrüse neigt dazu, paradoxerweise Auto-Antikörper -
also Abwehrstoffe - gegen die eigenen Schilddrüsenzellen zu produzieren.
Diese Neigung ist genetisch, also erblich bedingt. Antikörper führen
mit der Zeit zu einer zunehmenden Hemmung der Schilddrüsenhormon-Produktion.
Schilddrüsenhormon-Mangel entwickelt sich. In vielen Fällen
schrumpft dabei die Schilddrüse. Diese Erkrankung heißt im
medizinischen Sprachgebrauch Autoimmunthyreoiditis.
Auch Umweltfaktoren können derartige Reaktionen hervorrufen. Z.B.
kann erhöhte Radioaktivität die Bildung von Auto-Antikörper
provozieren.
Die Basedow' sehe Krankheit ist eine andere Form der Autoimmunerkrankung
der Schilddrüse, bei der es zu einer Bildung von Antikörpern
kommt. Diese Antikörper stimulieren die Schilddrüsenhormonproduktion.
Die Folge ist eine ständige Überproduktion an Schilddrüsenhormonen.
Diese Erkrankung muss 1 bis 1 Y2 Jahre mit Medikamenten behandelt werden,
die die Hormonüberproduktion hemmen.
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Wie sieht die Behandlung des Jodmangelkropfes aus?
Der Jodmangel-Kropf wird mit einer Jodtablette oder mit einem Kombinationspräparat
behandelt, das Jod sowie niedrig dosiertes Schilddrüsenhormon enthält.
Dadurch kann die Schilddrüse um bis zu 25% kleiner werden und ein
weiteres Wachstum kann meist verhindert werden.
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Ist zuviel Jod schädlich ?
Wir wissen, dass zu wenig Jod nachteilig ist. Zuviel Jod kann allerdings
auch ungünstig sein. Bekommen Menschen mit einem hormonüberaktiven
heißen Knoten zuviel Jod, kann dadurch eine Überproduktion
an Schilddrüsenhormonen hervorgerufen werden. Größere
Jodmengen können auch zu einer verstärkten Bildung von Auto-Antikörpern
gegen die eigene Schilddrüse führen. Dadurch kann bei entsprechender
erblicher Veranlagung eine Autoimmunthyreoiditis, also eine stumm verlaufende
Schrumpfung der Schilddrüse mit Unterfunktion ausgelöst werden.
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Was folgt daraus für die Jodversorgung ?
Der Jodbedarf liegt zwischen 150 und 250 Mikrogramm ( = Millionstel Gramm)
pro Tag. Über die Nahrung führen wir heute durch die Jodierung
vieler Nahrungsmittel zwischen 100 und 150 ug zu. Vor zehn Jahren lagen
wir ohne Verwendung von Jodsalz bei etwa 60ug pro Tag.
Wir wissen heute, daß bei täglichen Jodaufnahmen ab 400 - 500ug
die Zahl der dadurch ausgelösten Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse
bei etwa 10% liegt. Das erklärt auch die relativ große Häufung
dieser Erkrankungen in den USA und Japan (USA: 500 ug Jod pro Tag; Japan
800-1000 ug Jod pro Tag).
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Was folgt aus diesen Erkenntnissen?
Jodmangel ist ausgesprochen ungünstig für die Schilddrüse
und ist entscheidend für die große Zahl von Schilddrüsenvergrößerungen
verantwortlich. Ein frühzeitiger Ausgleich des Jodmangels ist in
keinem Falle schädlich, sondern im Gegenteil ausgesprochen wichtig.
Eine ständig überhöhte Jodzufuhr ist allerdings nicht wünschenswert,
da dadurch schon bestehende Autonomien verstärkt werden können
( heiße Knoten produzieren dann mehr Schilddrüsenhormon, was
zu einer behandlungsbedürftigen Überfunktion führen kann).
Außerdem können durch zu viel Jod langfristig Unterfunktionen
ausgelöst werden ( Bildung von Abwehrstoffen gegen die eigene Schilddrüse
bei entsprechender erblicher Veranlagung).
Die Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen lautet: Langfristige Jodaufnahmen
über 350 ug pro Tag sollten vermieden werden.
Bei der heute üblichen Jodierung von Nahrungsmitteln und der Verwendung
von Jodsalz im Haushalt kann es nur zu einem Erreichen einer für
die Schilddrüse optimalen Jodversorgung kommen. Ein Jodüberangebot
ist damit nicht möglich. Selbst bei Patienten, die bereits einen
heißen Knoten haben, wird durch den Verzehr jodierter Nahrungsmitteln
üblicherweise keine Überfunktion ausgelöst.
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Was folgern wir daraus?
„Mit Jod (150 - 250 ug pro Tag ) läuft alles besser für
die Schilddrüse".
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